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RSSPrint

Gedanken zum Sommer

(Römer 1, 20)

Liebe Gemeinde,

der Sommer ist da und die Welt könnte so schön sein. Wenn uns da nur nicht so vieles zweifeln ließe, ob die Welt wirklich gut ist, wie die Bibel sagt: „Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.“ (Röm 1, 20) In der Bibel heißt der Zweifel Thomas, ein Jünger Jesu. Er kann nicht glauben, was er nicht begreift.

Der Film „Die 12 Geschworenen“ von S. Lumet knüpft da an: Er spielt in den 1950ern in den USA, geprägt von Rassismus. Schauen wir auf die – von den europäischen Regierungen ausgesessene – Frage, ob man Menschen aus Seenot retten darf, sind wir da wieder erschreckend nahe dran: Eine junge deutsche Kapitänin wurde Ende Juni verhaftet, weil sie über 40 Menschen vor dem Ertrinken rettete! Im Film verhandeln 12 Männer über einen Mordfall: Zuerst redet ein weißer Mann wütend über den angeklagten schwarzen Jungen, der seinen Vater getötet haben soll. Doch es stellt sich heraus: Sein Zorn stammt vom eigenen missratenen Sohn. In der Sommerhitze schwitzen die Geschworenen und wollen heim. Die Wahrheitssuche ist lästig.

Zurück zu Thomas: Nach einem Gespräch über Selbstzweifel erklärte mir ein Gemeindeglied: „Dass Zweifel gut sein kann, habe ich noch nie gehört!“ Thomas zeigt uns genau das. Er sieht den auferstandenen Christus nicht und sagt: „Wenn ich das nicht selbst sehe, glaube ich es nicht.“ Eine völlig normale Reaktion: Wer glaubt schon an etwas, das gegen unser Alltagserleben spricht? Thomas ringt um seinen Glauben. So kommen wir dem Sinn des Zweifels auf die Spur: Er gehört zum Leben dazu. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (1 Mose 32, 27), so ringt schon Jakob im Alten Testament mit Gott. Um Einsicht ringen ist ein Weg zum tieferen Verstehen des eigenen Lebens. Thomas bleibt dabei in der Gemeinschaft der Jünger. Acht Tage lang, steht in der Bibel. Ich verstehe diese Zeit als Reifezeit des Glaubens. Blinder Glaube ist der Bibel fremd. Jesus kann sichtbar werden, wo man in seinem Geist zusammenlebt: Jesus trat erneut unter seine Jünger und Thomas glaubte. Ob er die Gegenwart des Auferstandenen in der Gemeinschaft spürte? Das hat Jesus versprochen!

Aber man sollte zweifeln, wenn die Menschlichkeit verachtet wird, die in Jesus spürbar war. Da sollte man ein Thomas sein. Zweifel kann der Weg zur Wahrheit werden. So ging es Thomas, weil er an Jesu Liebe festhielt.

Im Film „Die 12 Geschworenen“ zweifelt auch einer an der Schuld des Schwarzen. Es ist Geschworener Nr. 8. Das ist die gleiche Nummer, die Thomas unter den 12 Jüngern hat. Sein Zweifel bewegt die anderen, ihre Vorurteile abzulegen. So ist das auch mit den populistischen einfachen Antworten auf komplizierte Fragen. Da sollte man lieber zweifeln.

Genießen Sie zur Sommerszeit Gottes schöne Natur. Kann die schlecht sein, wenn sie uns leben lässt und Gott es sogar „regnen (lässt) über Gerechte und Ungerechte“? (Mt 5,45) Lassen Sie uns wie Thomas zweifeln, mit offenem Herz für Gottes Liebe zu allen Menschen.

Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

Letzte Änderung am: 07.08.2019