Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Gedanken zum Sommer 2018

Liebe LeserInnen unserer Gemeindenachrichten,

seit sieben Jahren – mit einigen Ausnahmen – waren an dieser Stelle meine Gedanken zur Monatslosung oder zum Kirchenjahr zu lesen. In dieser Ausgabe geschieht das zum letzten Mal in meiner Funktion als Pfarrer unserer Kirchengemeinde. Ab meinem Ruhestand im September lege ich dieses Privileg in andere – noch unbekannte – Hände. Oft habe ich mich gefragt: „Wer liest das eigentlich?“ Genauso oft habe ich mich gewundert, wenn mir – ungefragt und unerwartet – gesagt wurde: „Das war aber interessant, einleuchtend oder zum Schmunzeln.“ Gemeckert hat eigentlich nie jemand, jedenfalls nicht mir gegenüber.

Seit mein Jugendkreis in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in meiner alten Gemeinde die Redaktion des Gemeindeblattes übernahm (und ich davon als Redakteur übrig blieb), gestalte ich Gemeindeblätter oder arbeite daran mit. Anfangs noch mit Bleisatz und Korrekturfahnen. Manuskripte habe ich auf meiner Schreibmaschine getippt, die Anschläge pro Spalte musste ich selber zählen. Das Gemeindeblatt wurde im bezahlten Abonnement vertrieben, und es finanzierte sich darüber hinaus noch aus Anzeigen lokaler Gewerbetreibender (mindestens zwei Seiten Anzeigenfriedhof mussten die Leser aushalten). Ein christlicher Zeitschriftenverlag war als Herausgeber verantwortlich und verstand den Gemeindeboten als lokale Ergänzung zur überregionalen kirchlichen Sonntagspresse.

Und mindestens seit dieser Zeit – auch über technische, theologische und soziale Veränderungen hinweg – währt die Debatte, ob das „geistliche Wort“ auf die erste, die letzte Seite oder überhaupt in ein Gemeindeblatt gehört. Würde es jemand vermissen, wenn es einmal ausfiele?

Zugegeben, höhere Aufmerksamkeit bekommen vielleicht der Predigtplan (besonders vor Weihnachten), heimatkundliche Artikel oder Beiträge über Planungen und Vorhaben. Aber ein Blatt von der Kirchengemeinde herausgegeben ohne ein Nachdenken über Gottes Wort?

„Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen“, schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Kolossä. Reichlich, vielfältig; gepredigt, geschrieben, gesungen, gespielt oder gemalt. Das ist unser Auftrag als Kirchengemeinde.

Und daher auch Gedanken zum Monat in den Gemeindenachrichten. Gedruckt, per E-Mail oder im Internet. Auf dem Frühstückstisch oder auf dem Smartphone in der S-Bahn. Ohne Gottes Wort wären die Gemeindenachrichten wie eine Kneipe ohne Bier.

Herzlich grüßt Sie Ihr Pfarrer
Thomas Karzek


Letzte Änderung am: 28.06.2018