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Monatsspruch März

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein. (1. Samuel 7, 3)

Der Hohepriester Samuel hat diesen Vers seinem Volk Israel gesagt. Um 1000 v. Chr. war er in Israel wirksam. Er war nicht nur oberster Priester, sondern Richter, Streitschlichter, Ratgeber. Er war so etwas wie ein Kompass in schwieriger Zeit, und – er war ein Mann Gottes.

Von jeher fürchteten sich die Israeliten davor, nicht ehrlich genug an Gott zu glauben, ihm nicht genug zu vertrauen. In späteren Zeiten waren es die Propheten, die dies immer wieder einforderten. Ihre Sorge: Israel gibt sich nach außen fromm und gläubig, im tiefsten Herzen aber schielen sie auf andere Götter und lassen die Gebote Gottes unbeachtet.

Hier spricht Samuel etwas aus, was auch uns aufhorchen lässt, nämlich sich mit dem Herzen Gott zuwenden. Genau hier, im Herzen, spielt sich der wahre Glaube ab. Aber: Wer spricht schon gerne über sein eigenes Herz, über das, was ihn im Herzen bewegt? Wir kennen die Redewendung „jemandem sein Herz ausschütten“. Aber wird das nicht oft als etwas Schamhaftes gesehen, etwas, das jemand tut, wenn er nicht mehr anders kann, wenn er am Ende ist? Jemandem sein Herz ausschütten ist oft mit Verzweiflung, vielleicht auch mit Tränen verbunden. Wer sein Herz ausgeschüttet hat, erlebt es aber auch als Befreiung, als Durchatmen-Können. Samuel macht keinen großen Bogen um das Herz des Menschen. In der hebräischen Sprache ist „Herz“ Ausdruck für den ganzen Menschen. Ähnlich wie bei uns, wo das Herz ja auch Sitz unserer innersten Gedanken und Gefühle ist.

Die Sorge, dass der Glaube nicht von Herzen kommt und damit gänzlich verloren gehen könnte, wird auch im hebräischen Glaubensbekenntnis deutlich: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6,5)

Im Christentum tauchte eine ähnliche Sorge auf. Als sich im 17. und 18. Jahrhundert verschiedene Richtungen im Christentum stritten (orthodoxe Lutheraner gegen Vertreter der Aufklärung), bildete sich eine dritte Bewegung, die Pietisten. Später gerne belächelt, war es ihr Wunsch, die eigene Herzensfrömmigkeit in den Mittelpunkt zu stellen.

Ich glaube, dass es dieses Glauben mit dem Herzen war und ist, das Menschen ungeahnte Kraft geben kann. Johann Sebastian Bach beispielsweise war auch einer von ihnen, und was hat er der Nachwelt mit seiner Musik nicht an Schätzen hinterlassen!

Lassen wir also auch immer wieder unser Herz sprechen und schämen wir uns dessen nicht.

Es grüßt Sie
Ihr Christoph Noack

Letzte Änderung am: 28.02.2019