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Gott ist Liebe – von Babel nach Pfingsten

Warum schafft es eigentlich die Menschheit nicht, friedlich zusammen zu leben? Die Geschichte vom Turmbau zu Babel versucht das zu erklären: Die Menschen streben danach, Gott zu sein. Dafür bauen sie den Turm. Und wie kann es anders sein: Er stürzt ein und die Menschen verstreuen sich über die Welt. Es herrscht Verwirrung. Dann folgen Unrecht und Streit: Menschen, die sich selbst vergöttern, verlieren das Maß für einander. Wenn nur mein persönlicher Wille gilt, dann nehme ich mich schnell wichtiger als andere. Es entstehen rassistische Einteilungen. Nationale Bestrebungen, sich von der Welt abzuschotten, gehören dazu: als könnten wir auf dieser Welt wie auf einer Insel der Seligen leben, oder als gingen uns die Folgen unseres Wohlstands nichts an. So wird vielleicht der Schutz von Arbeitsplätzen wichtiger bewertet als die Folgen von Rüstungsexporten in instabile Regionen. Wozu das führt, zeigen die Flüchtlingsströme weltweit überdeutlich!

Also: Woran wollen wir uns messen lassen? Gilt, was Gott Adam und Eva anvertraute? Die Welt ist gute Schöpfung, die der Mensch bebauen und bewahren soll – für alles Leben? Oder haben wir unseren Wohlstandsturm mittlerweile so hoch gestapelt, dass uns die vor Krieg, Terror und Hunger Fliehenden gar nichts mehr angehen? Gottes Maßstab für die Welt ist Liebe. Mit ihr misst er uns. Zuerst aber legt er diesen Maßstab an sich an: Weil wir unsere Mitmenschen als Gottes Geschöpfe leicht aus den Augen verlieren, geht Gott in Jesus Christus den Weg zu den Leidenden. Er trägt das Leid und die Schuld der Menschen ans Kreuz und legt sie ab als Auferstandener. Für uns alle gilt von Ostern her: Dich liebt Gott, selbst wenn du Gott übersiehst, wenn du dich auf deinen Turm stellst, deine Grenzen dicht machst und nur dein Wohlleben sehen willst. Für dich wird Gott Mensch!

Oskar Schindler war ein Egoist. Um im Luxus zu leben, nutzte er die unmenschlichen Zustände im sogenannten Dritten Reich aus. Aber in seinem Leben ereignete sich eine heilsame Verwirrung. Er sah, dass „seine“ Zwangsarbeiter Mitmenschen waren! Wenn sich Menschen als Menschen begegnen, können unsere beschränkten Maßstäbe umfallen und der Geist Gottes schafft Freiheit um zu erkennen: Wir alle sind gleich vor Gott. Allen gilt die gleiche Gerechtigkeit! Schindler fand einen neuen Maßstab: Er erkannte im Mitmenschen Gottes Abbild!

„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet“, sagte Jesus und wurde gefragt: „Wann sind (wir) zu dir gekommen?“ Er antwortete: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (aus Mt. 25, 35ff) Es ist nicht schwer, zu erkennen, wen Jesus heute im Blick hätte.

Zum Pfingstfest stiftete Gott erneut Verwirrung, doch anders als in Babel: Gottes Geist kam über Jesu Jünger, damit die Kirche als Gemeinschaft entstehen konnte, die darauf vertraut, Gott ist Liebe. So will Gott auch unter uns wirken, Grenzen niederreißen und von Türmen herunter holen, damit das Leben auf dem Boden der Tatsachen, von Mensch zu Mensch, gelingen kann – ohne Ausgrenzung!

Ihr Pfr. Arndt Klemp-Kindermann

Letzte Änderung am: 23.04.2019