Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Andacht zum Monat November

Liebe Gemeinde,

ein Haus wird aus Steinen gebaut, wenn es dauerhaft sein soll. Stein steht für Beständigkeit. Man schaue nur auf gotische Kathedralen, bei denen sich Berge aus Stein filigran in über 160 Metern Höhe aufschichten. Was von der menschlichen Kultur einst übrig sein wird, wird vermutlich in Stein gehauen sein. Nicht umsonst spielt Stein auch in der Bibel eine besondere Rolle. Gott selbst gibt Mose die Zehn Gebote auf Steintafeln: Gebote für die Ewigkeit! Jesus spricht von Klugheit, wenn man sein Leben nicht auf Sand, sondern auf festen Felsgrund baut. Und schließlich schreibt der Apostel Petrus von Jesus Christus als Gottes Eckstein für die Welt. Der Haltepunkt für Gottes Tempel, der aus „lebendigen Steinen“ gebaut sein soll: „Der Herr (ist) freundlich … zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, … bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer … durch Jesus Christus.“ (1. Petr 2, 3b f).

Menschen als lebendige Steine? Jesus als Eckstein verstehen wir noch: Der Eckstein ist zentraler Bestandteil einer Konstruktion. Nimmt man ihn weg, bricht sie ein. Aber wir als Gottes lebendige Steine? Sehen wir auf das, was wir selber aus Steinen bauen. Die St. Andreaskirche zum Beispiel oder unser neues Projekt in der Mahlower Straße: der Erweiterungsbau der Kita, dann wird es vielleicht deutlicher: Unsere Kirche steht – zumindest die Grundmauern – schon rund 800 Jahre, für uns Menschen eine lange Zeit, für unsere Welt aber sicher nicht. Nun planen wir ein neues Gebäude, eine Kita, hoffentlich für viele Generationen. Aber wozu eigentlich? Friedrich Karl Barth hat dazu einen Liedtext verfasst:

„Komm, bau ein Haus, das uns beschützt, / pflanz einen Baum, der Schatten wirft, / und beschreibe den Himmel, der uns blüht, … Lad viele Kinder ein ins Haus versammle sie bei unserm Baum, / laß sie dort fröhlich tanzen, wo keiner ihre Kreise stört, / laß sie dort lange tanzen, wo der Himmel blüht. Lad viele Alte ein ins Haus, bewirte sie bei unserm Baum, / laß sie dort frei erzählen, von Kreisen, die ihr Leben zog, / laß sie dort lang erzählen, wo der Himmel blüht.“

Dafür bauen wir: Es geht um den Gott des Lebens, der in Jesus Christus unter uns lebendig war und der durch seinen Geist in unseren Herzen wirken will! Das kann nur geschehen, wo wir uns aufeinander einlassen und füreinander einstehen, wo wir die Priesterschaft Gottes annehmen und als seine Kinder leben. Das ist es, wozu Jesus Christus von Gottes Geboten sprach: „Liebt Gott über alles und eure Nächsten genauso.“ Wer das versucht, wird Gott finden. Wir bauen für das Leben. Es soll tragfähigen Grund haben. Der Boden ist Gottes Liebe und sie spiegelt sich in unserem Leben wieder, wo wir uns von Jesus begeistert füreinander öffnen. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir auch 30 Jahre nach dem Einsturz der Berliner Mauer, die nicht dem Leben diente, unser Ziel vor Augen behalten: Für das Leben zu bauen, damit es gedeihen kann. 1989 führte das Leben Menschen mit Kerzen in der Hand auf die Straße, wo sie einen lebendigen Tempel des Friedens bildeten, so dass eine Mauer des Todes einstürzte. Ich glaube, viele folgten Gottes Ruf ins Leben:

„Komm, wohn mit mir in diesem Haus / begieß mit mir diesen Baum, dann wird die Freude wachsen, / weil unser Leben Kreise zieht, / dann wird die Freude wachsen, / wo der Himmel blüht.“

Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

Letzte Änderung am: 26.10.2019