Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen

Gedanken zur Jahreslosung 2020

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und friedvolles Jahr 2020! Wir sind ja schon mitten drin. Dennoch möchte ich Ihnen die Jahreslosung ans Herz legen. Ganz eingängig ist sie nicht mit ihrer Doppeldeutigkeit. „Ich glaube!“ – „Hilf meinem Unglauben!“ Der Satz stammt aus einer Heilungsgeschichte im Markusevangelium. Jesu Jünger konnten einen kranken Jungen nicht heilen. Dann trifft Jesus ein, spricht mit dem Vater und heilt das Kind. Zuletzt klärt Jesus seine Jünger auf, wieso sie scheiterten: Hier hilft nur beten! Was bedeutet das?

Schauen wir in die Geschichte der Jahreslosungen: Seit 1930 werden sie veröffentlicht. Es war der Versuch, den Parolen der NSDAP biblische Aussagen entgegen zu halten. Für Christinnen und Christen war es damals schwer, sich zum Gott des Lebens zu bekennen. Denn in der Bekenntnissynode von Barmen hat man 1934 erkannt: Gott und dass vor ihm alle gleich sind, ist mit der NSRassenideologie unvereinbar. Damit war es eigentlich unmöglich, einen Eid auf Hitler zu leisten. Aber wie lebt man in einem Staat, der den Glauben gefangen nimmt und einem vorschreibt, welcher Mensch Wert hat und welcher nicht?

Die frisch gebildete Bekennende Kirche musste sich selbst erst von nationalen Gedanken freikämpfen, bevor sie in den Widerstand gehen konnte. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Das versteht man unter dieser geschichtlichen Situation vielleicht besser. – Wir leben oft in Grauzonen des Glaubens und der Unentschiedenheit. Wie soll ich leben, wenn ich Angst vor manchmal sogar tödlichen Konsequenzen haben muss? Ich glaube ja an Gott, aber rechne ich auch mit ihm im echten Leben? Wir haben mit dem Jahr 2020 das Jahr 75 nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Wir leben seit 1990 in einem wiedervereinten freien Land. Wofür entscheiden wir zu leben? Das fällt mit zunehmender Freiheit nicht leichter, weil wir oft unsere Prioritäten erst definieren müssen. Damals, als bekennende Christin oder bekennender Christ im dritten Reich, war es klar: Die NS-Ideologie, mit den tödlichen Konsequenzen für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Euthanasie für Behinderte und der Unterwerfung von angeblich minderwertigen Rassen, ist falsch. Dagegen etwas zu sagen war aber ungleich schwerer, als heute zu seiner Meinung zu stehen, wenn es zum Beispiel darum geht, sich für Minderheiten einzusetzen oder fair und offen auch mit Andersdenkenden zu argumentieren. Wo sind wir mit unserer Freiheit gelandet, wenn ein Bischof Morddrohungen erhält, weil er sich für die Rettung von Ertrinkenden ausspricht, egal wie man zur Migration an sich steht? „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Der Vater des kranken Kindes glaubte, aber er trug auch am Leid seines Sohnes. Ob wir der Macht Gottes etwas zutrauen können? Er war skeptisch. Aber als ihm Jesus begegnete, war er bereit, all seine Hoffnung auf den Gott des Lebens zu setzen. – Ich glaube, liebe Gemeindeglieder, darum geht es in der Jahreslosung: Bei allem Grau im Leben nicht zu vergessen, Gott hat uns das Leben geschenkt und er liebt uns. Daran festzuhalten, hilft zu tragfähigen Entscheidungen und tragendem Glauben zu finden. Das hat uns Christus mit seinem Leben versprochen. Ich glaube auch, am Ende kommt es nicht darauf an, alles zu bekommen, was man sich wünscht, sondern genug Kraft für einen aufrechten Gang durch das Leben zu finden. Dazu hat uns Jesus ein Basisgebet gegeben, das „Vater unser“. Beten Sie es doch in 2020 täglich. Es dauert keine Minute und vergegenwärtigt alles Wesentliche. Vielleicht relativiert sich dadurch ja dieses Bedürfnis oder jene Befürchtung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr!

Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

RSSPrint