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Gedanken zum Monat Juli

Liebe Gemeindeglieder,

der Sommer ist da und hoffentlich können Sie ihn genießen trotz der immer noch geltenden Beschränkungen durch das Covid19-Virus.

Sommer, Sonne, Wärme, dazu noch ein Badesee – Eis und Grillfeiern. Der Garten und das satte Grün. – Der Sommer ist die Jahreszeit des vollen und satten Lebens. Leben intensiv spüren und die Schönheit der Schöpfung ohne Arbeitsdruck wahrnehmen, das gehört für mich zum Sommer dazu. Sommerfreizeit ist Segenszeit, Zeit, in der wir entspannen können, um das Leben als Geschenk anzunehmen – vielleicht bei einem Glas Wein auf einer Terrasse mit freundlichen Menschen über das Leben sinnieren und dabei spüren, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind…

Andererseits bedeutet Sommer für manche puren Stress: der Urlaub muss geplant werden, gepackt, das Geld kalkuliert und alle sollen zufrieden sein, hohe Erwartungen sind zu erfüllen. Oder Enttäuschungen sind auszuhalten, wenn keine Reise geplant werden kann. Dennoch, der Sommer ist geschenkte Zeit.

Als ich Schüler war, waren die finanziellen Möglichkeiten gering. Ein Freund überredete mich, mit einer Pfadfindergruppe auf Wanderschaft zu gehen. Ich kannte nur ihn. Ein Wagnis, das ich immer wieder gerne eingehen würde. Wir waren 14 Tage nur auf uns gestellt: ein Dutzend junge Menschen mit nichts weiter dabei als dem, was sie auf dem Rücken tragen konnten, dazu die grandiose Naturkulisse des Dordogne-Tals in Südfrankreich, und das alles vom Pfadfinderverein gefördert, mit dem Ziel Menschen zusammenzubringen.

Die Erfahrung, mit völlig Fremden unter dem gleichen Sternenhimmel zu liegen und über das Leben zu philosophieren, werde ich nie vergessen. Einmal gerieten wir auf einem Zeltplatz mit französischen Jugendlichen in Streit, den die Alten aus dem Dorf gelassen schlichteten, indem sie von der schlimmen Zeit im Krieg berichteten. Danach saßen wir alle am Lagerfeuer und erlebten Versöhnung! Das werde ich nie vergessen und hoffentlich daraus immer den Gedanken zurückgewinnen, den Bettina Wegner in ihrem Lied „Jesus“ so dramatisch zusammengefasst hat:

„…Jesus war Pole und Jude dazu / Jesus war'n Schwarzer und kam aus Peru / Jesus war Türke und Jesus war rot…“

Wir müssen begreifen, dass das Leben einen gemeinsamen Ursprung hat, den wir alle teilen, und dazu ist Gott in Christus Mensch geworden, um das zu lernen.

Lassen wir einmal alles weg, was uns im Alltag so sehr beschäftigt, und blicken auf das Leben um uns herum, zu dem wir gehören, dann kann uns vielleicht doch mehr Dankbarkeit erfüllen und ins Leben zu den Mitmenschen leiten, als der Frust, die Sorgen oder der Neid, dieses oder jenes nicht zu haben oder zu können.

Wem das gelingt, der ist reich beschenkt, wie es in Psalm 115 steht:

„Gott segnet … die Kleinen und die Großen. Der Herr segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder! Ihr seid die Gesegneten des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Wir sind mit Leben gesegnet, lasst uns das genießen und teilen!

Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

„Pfingsten in Babylon?“

Liebe Gemeindeglieder,

wir erleben besondere und leider auch schwierige Zeiten. Ich frage mich, wie wird dieses Jahr Pfingsten gefeiert? – Ein winziges Virus hat unser Leben aus den Angeln gehoben. Wir sind gezwungen, uns auf die veränderten Bedingungen einzustellen. Was wird diese Zeit mit uns machen? Wie werden unsere Familien, Freunde, Bekannten und wir selbst durch diese Zeit kommen? – Ungewissheit ist ein urmenschliches Gefühl und wenn es zur Furcht wird, kann es unser ganzes Leben gefangen nehmen. Dabei kommt es gerade in schwierigen Zeiten darauf an, Herz und Verstand beisammen zu halten.

Im Kirchenjahr ereignen sich parallel zu unseren Zeiten Feste, bei denen Leid, Unsicherheit, Scheitern, Hoffnung, Unverständliches und Wege ins Unbekannte bestimmend sind: Jesu Passion, Ostern und Pfingsten.

Manches ähnelt vielleicht unseren Erfahrungen in der Corona-Krise? – Wir sehen, wo unser Leben auf tönernen Füßen gebaut ist: die Wirtschaft, die so sehr auf Abhängigkeiten beruht, unser Planen, das nicht mit der Zerbrechlichkeit des Lebens rechnet, aber auch der Mut und die Solidarität vieler Mitmenschen, spontan oder organisiert und treu in sogenannten systemrelevanten Berufen.

Leben im Wandel mit verändertem Blick! – Das war Pfingsten. Jesu Jünger mussten neue Formen des Zusammenlebens finden. Es entstand die erste Gemeinde, die Kirche, ausgerichtet auf solidarisches Zusammenleben, in der Hoffnung auf eine bessere Welt, durch Jesu Geist. – Diese Krise hat die Menschen nicht in die Verzweiflung getrieben. Der Weg ins Unbekannte ist zwar nicht zum Himmel auf Erden geworden – der soll ja erst noch kommen. Aber die ersten Christen spürten Gottes Geist, der sie trug. Die Kirche ist sozusagen das Provisorium auf dem Weg zu Gott.

Schon im Alten Testament gibt es Bilder, die diesen improvisierten Weg auf Gott zu beschreiben. Vielleicht ist ein Leben mit Gott immer eine Art Improvisation in Sachen Glaube, Hoffnung Liebe? – Der Prophet Sacharja entwickelt auch ein Hoffnungsbild von der kommenden Welt Gottes in schwierigen Zeiten: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sach 4, 6b)

Israel war verschleppt und ohnmächtig, lebte seit Jahrzehnten in der babylonischen Kriegsgefangenschaft. Dort versuchte es seinen Glauben nicht zu verlieren. – Babylon war eine prächtige Kultur. Vermutlich sind viele Israeliten Babylons Verführungen erlegen. Doch nun war alles anders. Der Perserkönig Kyros II. verfügte nach der Eroberung Babylons, dass alle heimkehren könnten. Aber was erwartete sie da? Das gelobte Land? – Jerusalem war ein Trümmerhaufen.

Liebe Gemeinde, warum sollte man im Leben Einschränkungen in Kauf nehmen? – Das ist vielleicht für viele mit Blick auf die Pandemie eine der brennendsten Fragen. Dabei war diese Frage ja durch die Diskussion über die aufgeheizte Konjunktur und ihre Folgen für die soziale Gerechtigkeit und Umwelt schon lange aktuell: Rüstungsexporte und Bürgerkriege, Flüchtlingswellen und Dürrekatastrophen… Können wir da einfach weiter machen wie bisher? – Während die Staaten streiten, ob in der globalisierten Welt gerechtere Strukturen geschaffen werden sollten, schleicht sich ein Virus ein, das alles schachmatt setzt. Was passiert hier gerade? – Sicherlich keine Strafe Gottes!

Das Leitthema der Bibel ist Rettung! Der biblische Gott schafft Gebote zum Schutz des Lebens. Das Kreuz Christi zeigt den mitleidenden Gott, der sich mit den Schwachen solidarisiert. Alle Propheten, die sahen, dass der Weg aus Egoismus und Gier vor die Wand läuft, sprechen immer auch von Rettung, die Gott anbietet, wenn der Mensch sich auf seinen Geist des Lebens, der Liebe und der Hoffnung einlässt. Dennoch bleibt klar, dass unser Lebenswandel Folgen hat.

Es ist nicht möglich, zur Corona-Krise den Willen Gottes zu orakeln. Aber man kann die gottgegebene Vernunft nutzen und Schlüsse ziehen, ob dieses oder jenes Verhalten klug ist oder ob es einander schadet oder dient. Dazu kann man auch die Vergangenheit hinzuziehen. Das tun die Propheten, wenn sie sagen: „Erinnert Euch, wie Gott vorzeiten geholfen hat! Daran orientiert Euch jetzt!“ Das versucht Sacharja: „Durch Gottes Geist soll diese Welt verwandelt werden – ohne Gewalt!“ Und man darf im Menschen Jesus von Nazareth diesen Geist wiedererkennen: Jesus wird zum Christus, weil er sich der Liebe zum Leben hingibt. – Das Unbegreifliche an Gott ist seine Menschwerdung, sein solidarischer Weg mit und für uns. Das bedeutet Kreuz und Auferstehung. Auch wenn Sacharja vor 2550 Jahren keine Ahnung hatte, wer Jesus sein wird, so hatte er doch eine Ahnung, was Gottes Geist für unser Leben bedeutet: Es geht darum, in unserer Zeit nach Gott zu forschen. Sacharja gibt uns dazu Orientierungshilfen: „Schaut, was Gott gesagt und getan hat! Wie er Menschen begleitete und so sichtbar wurde.“ Gott ist Liebe, wie es Johannes zusammenfasst (1 Joh 4,16).

Für Sacharja war der Aufbruch in die Ungewissheit eine Chance, das Leben neu an Gottes Geist auszurichten und aus der Bequemlichkeit des babylonischen Luxus und der Faulheit der Gefangenschaft auszubrechen, um frei zu werden. – Gottes Freiheit bedeutet zweierlei: Freiheit von dem, was uns in der Welt gefangen hält – unseren Begierden, Sorgen und Zwängen, denen wir uns unterwerfen –, davon will Gott frei machen, um uns dann zugleich ans Leben, die Liebe und Hoffnung zu binden.

Beides können wir auch heute sehen: wie Menschen ohne Geist panisch Klopapier horten oder vom Eingriff in die Freiheit sprechen, weil sie dies oder jenes vorübergehend nicht tun können, während andere einfach solidarisch sind, die Schwächsten nicht zurücklassen und Ideen entwickeln, wie man diese Zeit möglichst gut zusammen übersteht. Wie man dem Leben dient, hat etwas mit Gelassenheit zu tun.

Die Rettung eines Kindes durch einen schottischen Bauern macht das deutlich: Der reiche Vater wollte sich mit Geld bedanken. Der Bauer lehnte ab. Als der Vater den Sohn des Bauern sah, bot er an, ihm ein Studium zu finanzieren. So wurde aus dem Bauersjungen der Arzt Alexander Flemming, der Erfinder des Penicillins. Als der gerettete Sohn Jahre später erkrankte, überlebte er durch Penicillin. Es war Winston Churchill. Er führte den britischen Widerstand gegen Hitler an.

Alles nur Legende? – Mag sein! Aber ich glaube nicht, dass Mitmenschlichkeit und Liebe, dass der Geist Gottes Zufall ist. Und wenn das stimmt, sind wir dem Schicksal nicht heillos ausgeliefert, sondern: Wo wir uns dem Geist Gottes überlassen, wird mit und durch uns Gottes Plan von seiner anderen Welt Wirklichkeit – und das ganz ohne Heer und Gewalt!

Ich wünsche allen, etwas davon zu spüren, jetzt und in der kommenden Zeit. Und dass die guten Dinge, die sich neben allem anderen auch ereignen, unseren Blick auf unser Leben nachhaltig verändern mögen.

Bleiben Sie behütet! Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

AnGeDacht Ostern

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. (1. Kor 15, 42)

 Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. (1. Kor 15, 42)
Ein Mann geht über ein Feld. Schwungvoll wirft er mit der rechten Hand Getreidekörner auf den Acker. In einem Tuch, quer über die Schulter gebunden, trägt er das Saatgut. Der Acker schimmert dämmrig blau-lila, der Sämann ist nicht deutlich zu erkennen, aber in seinem Rücken leuchtet eine große runde Sonne und drumherum der ganze Himmel gelb.
„Sämann bei untergehender Sonne“ heißt das Bild von Vincent van Gogh, das diese Szene darstellt. Van Gogh malte viele Saat-Bilder. Er war ein tief religiöser Mensch und kannte die Bibel, die Worte und Gleichnisse Jesu über Saat und Säen.
Der 1853 in den Niederlanden geborene Sohn eines Pastors hatte zunächst viele Berufe versucht: Buch- und Kunsthändler, Lehrer, ja auch Prediger. Mit 27 Jahren entschied er sich Maler zu sein, doch seine psychische Erkrankung trat immer deutlicher zu Tage. Er starb mit 37 Jahren.
Van Goghs Bilder malen gegen die Vergänglichkeit an: immer dieses überwältigende Gelb – Sonnenblumen, Sterne, Getreidefelder und immer wieder die Sonne. Auf dem Gemälde „Sämann bei untergehender Sonne“ nimmt der gelbe Himmel mit der Sonne einen Ticken mehr Raum ein als die dämmrige untere Hälfte.
Die Sonne wird wieder aufgehen, auch wenn es dunkel wird.
Van Gogh malt so ein Dasein vor Augen, das werden soll und das bleibt: verwesliches Leben, das in unverwesliches verwandelt wird. Das gegen die untergehende Sonne, gegen die lebensfeindlichen Mächte arbeitet wie der Sämann. Im Säen werden Vergänglichkeit und Ewigkeit miteinander verwoben.
Davon erzählt Ostern: von der Macht Gottes, die den Gekreuzigten nicht in der Nacht des Todes ließ. Und die den Frauen und Männern, die Jesus gefolgt waren, neue Kraft gab. So konnte die Saat, die der Sämann Jesus gelegt hatte, aufgehen und unverwesliche Hoffnung weitertragen.
Dieses österliche Hoffen und Säen wünsche ich Ihnen mit herzlichen Grüßen
Ihre Pfarrerin Sabine Beuter

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