Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Kirchenkreis Teltow - Teil 4

Ein Kind des Mauerbaus – Der Kirchenkreis Teltow

Teil 4 –Wende und Ende

Nach 19 Jahren im Amt wechselte Superintendent Reinhard Kähler in eine Pfarrstelle in den Spreewald. Zu seinem Nachfolger wählte die Kreissynode Pfarrer Matthias Corbach aus Wriezen, Kirchenkreis Bad Freienwalde. Zum 1. September 1986 trat er in Teltow seinen Dienst an und zog mit seiner Familie in das Pfarrhaus in die Ritterstraße, das gleichzeitig auch die Superintendentur und das 1969 gegründete kreiskirchliche Verwaltungsamt beherbergte.

In seinem neuen Kirchenkreis entdeckte er wenig Spuren einer gewachsenen, eigenen Identität. In einem Bericht in der Potsdamer Zeitung „Die Kirche“ schreibt er 1990:

Der Schock der Amputation von Zehlendorf nach 1961 bewirkte weniger ein Zusammenrücken der Gemeinden und stärkere Kooperation im Kirchenkreis, als vielmehr eine verstärkte Pflege der Partnerverbindungen über die Grenzen hinweg. Fast jede Gemeinde gestaltete ihre Höhepunkte, Gemeindefeste und Ausflüge gemeinsam mit den Westberliner Partnern. Ebenso starke Hilfe, besonders bei Bauaufgaben an den Kirchen, kam aus den Partnergemeinden der badischen Kirche. Das… (bewirkte), dass kreiskirchliche Gemeinsamkeiten kaum gesucht wurden“.

Darüber hinaus besuchten die Zehlendorfer Pfarrer einmal im Jahr per Besuchsvisum die Teltower zum gemeinsamen Pfarrkonvent. Dass diese gepflegten Gemeinsamkeiten ein starker Motor – wenigstens teilweise – für eine Wiedervereinigung werden sollten, davon ahnte 1986 wohl kaum jemand etwas. Drei Jahre später erfasste jedoch die Um- und Aufbruchsstimmung in den letzten Jahren der DDR auch die Teltower Gemeinden (s. Interview mit Pfarrerin Ute Bindemann in Gemeindenachrichten Februar 2021). Dem Superintendenten war es nun vor die Füße gelegt, seinen Kirchenkreis durch die Wendezeit in eine neue Zukunft zu führen. Was mit den Lichterketten zum 1. Advent 1989 nach der Öffnung der Mauer am 9. November, mit überschwänglicher Freude und spontanen Besuchen in den Partnergemeinden auf der anderen Seite der bröckelnden Mauer begann, das sollte sich in nüchternen Verhandlungen, Abwägungen und materiellen Überlegungen fortsetzen.

Bereits im März 1990 tagten beide Regionalsynoden der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wieder gemeinsam, Im Januar 1991 trat in Berlin die neue Gesamtsynode der Landeskirche zusammen. Ganz oben auf der Tagesordnung stand die Zusammenführung der 30 Jahre lang getrennt gewachsenen Kirchenstrukturen. Ende 1994 wurde eine neue, gemeinsame Grundordnung beschlossen. 1995 erreichte den Kirchenkreis Teltow der Beschluss zur Neuordnung der Kirchenkreise in dem es hieß: „Die Gemeinden des Kirchenkreises Teltow sollten in benachbarte Kirchenkreise eingegliedert werden“. Dem widersetzte sich der kleinste Kirchenkreis der Landeskirche und stützte sich dabei auch auf das starke Gemeindewachstum. Bedingt durch den starken Zuzug in den sog. „Speckgürtel“ Berlins wuchsen die Gemeindegliederzahlen der Teltower Gemeinden enorm.

Mit dem Wachstum begann auch eine Durchmischung der Gemeinden, der Gremien, der Pfarrer- und Mitarbeiterschaft durch Zuzügler aus dem ehemaligen Westen. Die Einführung des westlichen Kirchensteuerverfahrens führte zu einem Umbau des Finanzwesens, Gehälter mussten in einem jahrelangen Prozess den Westgehältern angeglichen werden. Kooperationen zwischen Ost und West wurden teilweise gesucht, teilweise verordnet. So führte die Begleitung und Beratung des Zehlendorfer kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt zur Gründung des Teltower Arbeitslosenvereines „tav“ als Antwort auf den wendebedingten Verlust von 15.000 Arbeitsplätzen in der Teltower Elektroindustrie. 1994 wurde noch ein Neubau für das kreiskirchliche Verwaltungsamt als Anbau an die Teltower Siedlungskirche errichtet. Dieses wurde allerdings wenig später aufgelöst, als sich 1998 die kreiskirchlichen Verwaltungsämter Teltow, Steglitz und Zehlendorf zu einem gemeinsamen Kirchenkreisverband mit Sitz in Berlin zusammenschlossen.

1995 traf die Teltower ein weiterer Beschluss der Kirchenleitung, diesmal zur „Verringerung der Zahl der Superintendenturen, Verwaltungsämter und Gremien“: Als Superintendent Matthias Corbachs zehnjährige Amtszeit 1996 endete, erhielt daher der Kirchenkreis den Bescheid, dass die Stelle nicht wiederbesetzt werden sollte. Damit war das Ende des Kirchenkreises Teltow eingeläutet. Fortan amtierte der bisherige stellvertretende Superintendent Pfarrer Helmut Kulla aus Güterfelde an der Spitze des Kirchenkreises. Er beschrieb die Wendezeit mit den Worten: „Die Mehrzahl der hier Lebenden hat diese Zeit… als eine Phase erlebt, in der die Veränderungen über sie wie Wogen hinwegrollten“.

In der Frage der Auflösung des Kirchenkreises Teltow entwickelte sich nun ein Ping-Pong von – oft mit den Betroffenen nicht abgestimmten - Beschlüssen der Kirchenleitung in Berlin einerseits und Protestnoten des Kirchenkreises Teltow andererseits. 1996 schimpfte der Teltower Synodalpräses Bernd Habermann: „Die Kreissynode … verwahrt sich entschieden gegen das Vorgehen der Kirchenleitung, einen Großteil der Verwaltungsstrukturen… im Eilgang völlig umzugestalten und dabei ausdrücklich(!) den betroffenen Rechtsträgern… nicht einmal Gelegenheit (zu) geben, sich dazu zu äußern“.

Als Ausweg aus den oft recht verfahrenen Positionen wurde schließlich der Weg gewählt, die Gemeinden des Kirchenkreises Teltow entscheiden zu lassen, welchem der benachbarten Kirchenkreise sie sich anschließen wollten, da eine Auflösung des Kirchenkreises nun unausweichlich schien. Nachdem die Beschlüsse der einzelnen Gemeinden vorlagen, fasste die Kreissynode, die am 22. August 1997 in der Teltower Siedlungskirche tagte, den folgenden Beschluss:

Die Kreissynode stimmt einem Zusammenschluss der Pfarrsprengel/Kirchengemeinden Großbeeren, Güterfelde, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow sowie des Diakonissenhauses Teltow mit den Gemeinden des Kirchenkreises Zehlendorf zu einem Kirchenkreis und … Ahrensdorf, Blankenfelde, Mahlow, Rangsdorf mit den Gemeinden des Kirchenkreises Zossen zu einem anderen Kirchenkreis zu“.

Nach Anhörung und Zustimmung der Beteiligten traten diese Neubildungen zum 1. Juli 1998 in Kraft.

Die letzte Kreissynode des Kirchenkreises Teltow tagte am 14. März 1998 in Blankenfelde unter Vorsitz des stellvertretenden Präses Pfarrer Dr. Rainer Bookhagen. Die Tagung schloss mit Andacht und Segen und dem Lied „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf all uns’ren Wegen…“.

Thomas Karzek

Letzte Änderung am: 30.12.2021